Azubis

Hands, Young People, Boy, Finger

Viele Auszubildende kennen das Problem gut: Statt in ihrem Fachbereich ausgebildet zu werden, werden sie als billige Arbeitskräfte eingesetzt, um die Aufgaben zu erledigen, die sonst keiner machen möchte, sollen den Kolleginnen Kaffee holen oder Botendienste erledigen. Die Aufgaben, die dann doch erledigt werden sollen, die mit dem Fachbereich zu tun haben, sind häufig „für die Tonne“, weil den Auszubildenden nicht die notwendigen Qualifikationen zugetraut werden, ihre Aufgaben anständig zu erledigen. Die Folge sind „Übungsaufgaben“, die in aller Regel nicht einmal bewertet werden und anhand derer nur wenig Lernerfolg zu erwarten ist. Beschäftigungstherapie statt Förderung. Gleichzeitig werden die eigenen Wünsche und Sorgen bei Kolleginnen und Vorgesetzten häufig nicht ernst genommen und es wird abgewiegelt, dass die Probleme, die jemand erfährt, nun einmal ganz normal in der Arbeitswelt seien und schließlich seien ja auch „Lehrjahre keine Herrenjahre“. Gerade für Anarchisten ist dieser Spruch interessant, zeigt er doch recht eindeutig, dass Auszubildende in vielen Köpfen als eine niedere Klasse von Arbeiterinnen angesehen werden – nicht nur aufgrund ihrer natürlich noch nicht voll ausgereiften Qualifikationen, die sich natürlich erst im Laufe der Zeit und mit Erfahrung ergeben können.

Nähert sich die Ausbildung dann endlich dem Ende zu, muss jemand hoffen und bangen, ob das Unternehmen den Arbeitsvertrag verlängern will – und wird bei erfolgreicher Übernahme häufig feststellen, dass die Kollegen einen weiterhin eher als den „Stift“, statt als einen vollwertigen Kollegin ansehen. Nicht selten kommen diese „Übernahmegespräche“ aber auch derartig spät, dass es sicherer ist, sich vorsichtshalber doch lieber frühzeitig nach einer neuen Stelle umzuschauen. Dass das natürlich in der Prüfungszeit am Ende der Ausbildung eine enorme Zusatzbelastung ist, die zusätzlichen Druck macht, wird unter den Tisch gekehrt.

Zusätzlich zur „normalen“ Geringschätzung kann es dann aber auch noch zu Diskriminierung aufgrund der eigenen Herkunft, des Geschlechts, des sozialen Hintergrunds oder einer körperlichen Einschränkung kommen. Derartige Faktoren vervielfachen nicht nur den Druck während der Ausbildung, sondern können bereits beim Bewerbungsgespräch eine zusätzliche Hürde darstellen.

Es ist daher wichtig, von vorneherein zu wissen, was für Rechte und Pflichten jemand als Azubi eigentlich hat, um sich gegen unfaire Behandlung rechtzeitig wehren zu können. Wenn jemand nicht frühzeitig klarmacht, dass auch ein Azubi eine wertvoller Mitarbeiterin sein kann und eine gute Förderung benötigt, um die Kolleginnen richtig unterstützen zu können, wird es oft schwierig, dieses Bild nach der bestandenen Ausbildung und der hoffentlich erfolgreichen Übernahme wieder geradezurücken.

Die FAU kann dich nicht nur darüber aufklären, was in der Ausbildung eigentlich alles erlaubt ist und was nicht. Sie kann dir auch mit Ratschlägen und simulierten Gesprächen mit den Vorgesetzten helfen, die richtige Art zu finden, wie du in deinem Betrieb nicht übergangen und mit sinnloser Arbeit abgespeist wirst.

[ssba]